Was geschieht auf Strimm?
„HOF SOLL DER ALLGEMEINHEIT ZU GUTE KOMMEN“
Der Strimmhof am Allitzer Sonnenberg gehört seit gut einem Jahr der Fraktion Laas; im Bild links Fraktionspräsident Oswald Angerer, der auf dem Hof immer wieder nach dem Rechten sieht; in den weiteren Bildern die Küche, die Stube, das Bad, eines der Zimmer sowie ein Teil der vielen ungenutzten Räume im Rohbau.
Die ehemalige Mühle
Früheren Sägewerk.
Zum Strimmhof, an dem auch der Vinschger Höhenweg vorbeiführt, gehören 14,64 Hektar Grundflächen, ein Wasserkraftwerk sowie der Mitbesitz eines Gemeinschaftswaldes der „Zehn Höfe Interessentschaft“ sowie der Allitzer Alm.

Zurzeit ist die Küche kalt

Fraktion Laas schmiedet Pläne für die künftige Nutzung des Strimmhofes. Wappenverleihung vor 400 Jahren.

Publiziert in 44 / 2017 - Erschienen am 19. Dezember 2017

Allitz - Eine wahrlich wechselvolle Geschichte hat der Strimmhof am Allitzer Sonnenberg hinter sich. Als der Weiterbestand des Hofes vor fast 30 Jahren auf der Kippe stand, wurde auf Anregung des damaligen Laaser Bürgermeisters Wolfgang Platter eine Initiativgruppe zur Rettung des Strimmhofes eingesetzt. Es ging darum, den mit 1.754 m Meereshöhe höchstgelegenen, dauerhaft besiedelten Hof im Gemeindegebiet von Laas als Bauernhof zu erhalten und eine Zweckentfremdung zu verhindern. Die wichtigste Maßnahme war der Bau eines neuen Wohnhauses, zumal das alte desolat war. Viele halfen mit, um den Weiterbestand des Hofes zu sichern: verschiedenste Organisationen, Pfarreien, Privatpersonen aus ganz Südtirol, Unternehmen, Handwerker. Mit Hilfe von Landesbeiträgen sowie Einnahmen aus verschiedenen Initiativen und Spenden ist es gelungen, das neue Haus Anfang der 1990er Jahre schuldenfrei an die Bewohner zu übergeben. Das Ziel der Initiativgruppe war somit erreicht.

Hof gehört der Fraktion
Seit dem 15. September des Vorjahres gehört der geschlossene Hof der Eigenverwaltung Bürgerlicher Nutzungsrechte Laas. „Es gab noch weitere Kaufinteressenten, aber dem Besitzer Ernst Niedermair und seiner Frau Christine war es ein Anliegen, dass der Hof nicht in weltfremde Hände gerät, sondern in irgendeiner Form der Allgemeinheit zu Gute kommt“ sagte Fraktionspräsident Oswald Angerer dem der Vinschger. Hätte jemand von der „Zehn Höfe Interessentschaft“ Interesse am Strimmhof bekundet, „hätten wir als Fraktion von einem Kauf abgesehen.“ Dies war aber nicht der Fall und so erwarb die Fraktion den Hof zu einem Preis von 607.000 Euro. Der Strimmhof umfasst 14,64 Hektar Grundflächen. Ein Wasserkraftwerk gehört ebenso dazu wie der Mitbesitz eines Gemeinschaftswaldes der „Zehn Höfe Interessentschaft“ sowie der Allitzer Alm. Der Ankauf des Hofes kommt der Fraktion Laas laut Angerer auch insofern zu Gute, als dass die Eigenverwaltung eine Wertsteigerung erfahren hat und somit kleinere Grundparzellen im Tal veräußern bzw. abtreten kann. Angerer: „Grundsätzlich können wir als Fraktion keine Flächen verkaufen, sondern nur tauschen. Oft ist es aber so, dass es für kleine Fraktions-Parzellen keine Tauschflächen gibt.“

Ideen für künftige Nutzung
Was die künftige Nutzung des Strimmhofes betrifft, so hat Angerer klare Vorstellungen: Der Hof soll demnach nicht nur privaten Landwirten zur Bewirtschaftung überlassen werden, sondern er soll in irgendeiner Form der Allgemeinheit zu Gute kommen. Angerer: „Das ist ein persönliches Anliegen meinerseits.“ Konkret kann sich der Fraktionspräsident die Nutzung des Hofes für Bildungs- und Kulturzwecke vorstellen. Zusätzlich zu bereits gut eingerichteten Wohnräumen gibt es im mehrstöckigen Haus auch viele ungenutzte Räume im Rohbau, die sich mit relativ geringem Aufwand herrichten ließen. Auch die Errichtung eines Buchenschankes könnte sich Angerer vorstellen, zumal der Strimmhof ja am Vinschger Höhenweg liegt und es derzeit weit und breit keine Einkehrmöglichkeit gibt. Spuren und Zeugnisse davon, wie am Strimmhof einst gearbeitet und geschuftet wurde, sind noch immer viele zu sehen. So zum Beispiel Ackergeräte, die alte Mühle, Überreste des Sägewerks und viele weitere Überbleibsel eines einst stattlichen Hofes.

Auf den Spuren der Strimmer
Welche Bedeutung der Hof einst hatte, belegt auch ein Bericht des pensionierten Schulleiters Georg Schwab aus Götzis in Vorarlberg. Seine Mutter Katharina geb. Strimmer (1925-2008) stammte aus Laas. Ihre Familie ist 1940 im Zuge der Option nach Vorarlberg gekommen. Bei der Erforschung der Familiengeschichte kam Georg Schwab zurück bis zum namensgebenden Strimmhof oberhalb von Allitz. 2016 war er beim Strimmer-Treffen in Laas mit dabei und hat über seine Forschungsergebnisse berichtet. Neue Erkenntnisse hat er in der Zwischenzeit bei
mehreren Aufenthalten im Bozner Landesarchiv gewonnen. Dem der Vinschger überließ er nachfolgenden Aufsatz. 

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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